Wie viel soll Kunst kosten?

Für diese Frage gibt es unzählige Aussagen im Internet. Ich möchte den üblichen Ansatz aufzeigen und versuchen eine Lösung zu finden, welche alle Künstler mit den unterschiedlichsten Werken anwenden können. Ich arbeite am Beispiel von zwei Gemälden. Die Lösung, welche für mich am Ende dieses Artikels passen wird, sollte für euch auf alle Kunstobjekte anwendbar sein.

 

Der übliche Ansatz:

Dies ist die wahrscheinlich am meisten erscheinende und (für mich) absolut sinnfreie Berechnungsgrundlage. Die berühmte Formel mit folgendem Aufbau:

Höhe (in cm) + Breite (in cm) x Erfahrenheitsfaktor (10-15 bei Anfängern)

Das bedeutet in der Praxis bei einem XXL-Gemälde mit den Maßen 2,30 m x 1,60 m und einem etwas besseren Anfänger (ich gebe ihm 12 Erfahrungspunkte):

230 cm + 160 cm x 12 Erfahrungspunkte = 4.680 €

Bei einem „ selbsternannten“ Profi, dem ich 30 Erfahrungpunkte gebe, sieht es dann folgendermaßen aus:

230 cm + 160 cm x 30 Erfahrungspunkte = 11.700 €

„Das ist doch OK“ werdet ihr jetzt denken. Aber genau hier liegt das Problem. Der Preis der Kunst hängt nur von einem frei erfunden Erfahrenheitsfaktor ab. Man zahlt also, wie bei vielen Dingen, für den Namen und den Stolz des Künstlers. Manch ein sehr guter Künstler steckt vielleicht auf dieser Basis, viel Zeit und Herzblut in seine Arbeit und sieht seine Kunst nicht als überragend an. Dieser gibt sich dann mit 15 Erfahrungspunkten zufrieden und verkauft seine Kunst unter dem Preis.

Auf der anderen Seite gibt es dann den elitären hochgebildeten Musterkünstler der mit billigsten Mitteln arbeitet und nur wenig Energie in das Werk steckt. Er hat aber einen guten Namen. Und das reicht dann aus um, einen nicht gerechtfertigten Preis zu verlangen?

Ich glaube Ihr versteht mich!

Allerdings hat diese Formel Ihre Berechtigung, wenn du mit einem Galeristen zusammenarbeitest. Denn dieser hat andere Interessen als ein Künstler der seine Werke direkt vertreibt. Einen Interessanten Artikel dazu habe ich hier gefunden:

http://www.artvista.de/pages/kunst-sammeln/kunst-sammeln-teil-5.html

 

Mein Ansatz:

Um den Wert der Kunst anhand von drei Kenngrößen festzumachen fehlt mir leider das Verständnis. Daher hier meine Lösung, welche den Vorteil bietet einen ehrlichen Preis für seine Arbeit zu erhalten. Vorausgesetzt ihr brauch das Geld nicht schon heute Abend …

Hier seht ihr von mir zwei  große Gemälde. Diese haben dieselben Ausmaße und meine Skills haben sich nicht wesentlich verändert. Das heißt laut Formel … ein Preis!

Das erste Gemälde ist allerdings innerhalb weniger Wochen entstanden und ist auf normalen Materialien gemalt.

"Was soll das" von Stephan Backhaus

Das zweite Gemälde wird ein verrücktes Abendmahl, welches mich seit einem Jahr beschäftigt und erst im folgenden Jahr fertig sein soll. Daher habe ich auch bessere Materialien verwendet.

"Das verrückte Abendmahl" von Stephan Backhaus

Wenn ich jetzt eine ernsthafte Berechnung aufstelle, komme ich auf Preise, welche ich mir bereits vor Beginn meiner Arbeit überlegt habe. Denn nur so kannst du planen, welchen Aufwand du in das Bild stecken kannst und was am Ende mit dem Kunstobjekt geschehen soll.

 

Die Berechnung für das einfache Gemälde sieht wie folgt aus:

  1. Materialkosten für Leinwand, Farben, Pinsel etc. à 200 €
  2. Arbeitstunden (geschätzt) x Stundenlohn (nehmt den Brutto-Stundenlohn, den ihr für „normale Arbeit“ verlangt. Ihr wollt ja von eurer Kunst leben) à 80 Stunden x 20€ = 1600€
  3. Betriebskosten (Miete, Wärme, Reinigung, Entsorgung etc.) à 50€
  4. Vertriebskosten (Internetseite, Zeit, Kundenfindung etc.) à 50€

So kommen wir auf 200€ + 1600€ + 50€ + 50€ = 1900€

Die übliche Formel von oben geht also voll auf. Ihr erhaltet sogar einen Gewinn! Allerdings steht diese Kunst dann auch bei einem privaten Sammler und wird nicht mehr öffentlich beachtet. Ihr werdet also „unbekannter“…

 

Nun die Berechnung für das aufwändige Gemälde:

  1. Materialkosten für Leinwand, Farben, Pinsel etc. à 500€
  2. Arbeitstunden (geschätzt) x Stundenlohn à 1500 Stunden x 20€ = 20000€
  3. Betriebskosten (Miete, Wärme, Reinigung, Entsorgung etc.) à 400€
  4. Vertriebskosten (Internetseite, Zeit, Kundenfindung etc.) à 150€

Hier erhalten wir 500€ + 30000€ + 400€ + 150€ = 31500€

Jetzt sieht es schon schlechter aus für euren Geldbeutel, wenn ihr die übliche Formel anwendet.

Ihr werdet dieses Gemälde also nur mit viel Glück an den Kunden bringen. Trotzdem bringt euch ein solches Gemälde enorm viel und Ihr werdet damit den Preis für einfache Gemälde erhöhen können, wenn ihr dieses aufwändige Objekt an Museen verleiht oder in Theatern ausstellt. Dies ist ähnlich wie bei Fernsehwerbung. Man investiert in die Zukunft.


Fazit:

Jetzt liegt es an dir wie du dieses Wissen umsetzt. Ich empfehle einfache Gemälde zu verkaufen. Die Aufwändigen behältst du und stellst sie unbedingt aus. Viele Künstler fertigen auch Nachdrucke ihrer großen Werke oder vergeben Foto-Lizenzen um damit ein Einkommen zu generieren.

Und so gehst du auch an die Planung für ein Gemälde. Du entscheidest…

Willst du das Gemälde verkaufen, versuche Zeit und Material zu sparen.

Willst du deine Kunstobjekte ausstellen, scheue keine Aufwände. Diese bringen unserer Gesellschaft ehrliche Kultur, machen sich später bezahlt und dich zum ernsthaften Künstler!

Wenn ihr es jetzt schafft eure einfachen Gemälde so zu verkaufen und zu planen, dass ein Puffer bleibt für eure öffentlich Prestigeprojekte, dann seid Ihr auf dem richtigen Weg.


Ich hoffe euch hat dieser Artikel gefallen. Ich freue mich schon auf eure Kommentare und eine wahrscheinlich heftige Diskussion.

 

 

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